Diese zapatistische Delegation wird "La Extemporánea" genannt und wurde durch die Verzögerung bei der Bearbeitung ihrer Pässe am Verlassen des Landes gehindert. Laut Angaben des Außenministeriums handelt es sich um "extemporäre Mexikaner".
Das österreichische Zapalotta-Netzwerk und Kollektive verschiedener sozialer Bewegungen aus Österreich, Portugal, Spanien und anderen Teilen Europas trafen sich in der Ankuntshalle des Wiener Flughafens in Schwechat, um die Delegation zu empfangen.
Nach der Begrüßung mit Spruchbändern, Gesängen, Parolen und Tänzen eskortierten die Organisatoren die zapatistische Gruppe durch die Halle.
Der Subcomandante Insurgente Moisés, Kommandant von "La Extemporánea", hielt eine antikapitalistische Rede. Er verwies auf die Schäden, die das derzeitige kapitalistische System für die Menschheit und die Umwelt verursacht. Er betonte die Dringlichkeit, etwas gegen diese Umweltzerstörung zu unternehmen, die Menschen aller wirtschaftlichen Schichten und aller Teile der Welt betrifft. "Das Ziel dieses Besuchs ist es, Praktiken, Geschichten und Gespräche zwischen verschiedenen sozialen Bewegungen und Einzelpersonen auszutauschen", sagte der Subcomandante.
Österreichische Organisatoren halfen den Zapatisten, an verschiedenen Orten in Wien Quartier zu beziehen.
Die zweite Gruppe der Delegation, die am selben Tag um 19.00 Uhr erwartet wurde, verpasste ihren Flug. Am 15. September um die Mittagszeit traf sie jedoch ein und wurde mit einem Empfang begrüßt, wie das österreichische Netzwerk Zapalotta berichtet.
Wie lange werden sie in Europa bleiben? Der geplante Aufenthalt beträgt wie der des Geschwaders 421 (der Delegation, die auf dem Seeweg in Portugal ankam und von dort aus nach Spanien, Frankreich und in die Schweiz reiste) drei Monate, was die Grenze für visumfreie Aufenthalte für Mexikaner darstellt. (Foto: Yunier Cobas)
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Textvortrag von "La Extemporanea" (14. September 2021)
Guten Tag, guten Morgen, guten Abend, Brüder und Schwestern in der Welt.
Wir, die Zapatistas, die ursprünglichen Völker des mexikanischen Volkes, sind hier in Wien.
Wir sind hier, weil wir wissen, dass es arme, einheimische Völker in anderen Ländern der Welt und auch in den Städten gibt.
Wir glauben auch, dass unsere Brüder und Schwestern in den Städten und auf dem Lande wissen, was die Ausbeutung durch den Kapitalismus ist.
Aber wir Zapatisten sehen das Problem nicht nur darin, was der Kapitalismus angerichtet hat, es ist das Problem des Lebens.
Das Problem des Lebens, auch das Problem der Natur wird die Umwelt beenden, das ist es, warum wir gekommen sind um es ihnen zu sagen. Sie glauben es nicht, sie werden es sehen.
Vielleicht sagen sie, dass sie diese kennen. Die Natur spricht zu uns, wenn wir sie zu sehen verstehen, die Natur lehrt uns, wenn wir sie zu respektieren wissen, ansonsten lehrt sie uns, wie mächtig sie ist.
Die Erdbeben werden schlimmer werden, die Gebäude, die sie haben, werden einstürzen, die Erde wird sich spalten, sie wird sich hier und in allen Städten in Flüsse und Seen verwandeln.
Aber wir, die Bürger, sind nicht schuld.
Und wir wissen bereits, wer der Schuldige ist, es ist der Kapitalismus. Der Kapitalismus ist derjenige, der das Leben der Natur vernichtet. Ein Beispiel kann ich Ihnen geben *greift nach einer Plastikflasche*: Woher kommt diese Flasche? Und alles, was wir in der Hand haben, das Eisen, das Millionen Tonnen wiegt, woher kommt es, das Benzin, das Zeug, das die Flugzeuge benutzen? Vom Öl, und woher kommt das Öl? Aus Mutter Erde. Millionen von Jahren sind vergangen und der Kapitalismus zerstört sie in 5 oder 10 Jahren.
Auf jeden Fall ist es das, was wir hier vorschlagen, für das Leben. Und die Natur selbst wird uns, wie ich schon sagte, lehren. Wir werden Vergleiche anstellen und uns der Veränderungen bewusst werden, die durch die Zerstörung entstanden sind.
Wir, die ursprünglichen Völker, haben es am eigenen Leib erfahren, wo der Kapitalismus den Bergbau zerstört hat.
Wenn die Natur wütend wird, wird sie uns dann respektieren?, Wird sie uns fragen? Arm, reich, wer auch immer, wird es sprüren, wenn die Natur wütend wird über den Schaden, der ihr zugefügt wird.
Und die Machthaber geben Erklärungen ab, dass sie helfen werden, dass sie unterstützen werden, dass sie das Problem lösen werden. Es geht um ein paar Minuten Gespräch, und danach vergessen sie die Sache.
Die Regierungen werden nichts tun, denn sie sind Komplizen des Kapitalismus, sie sind diejenigen, die der Zerstörung zustimmen.
Niemand wird für uns kämpfen, niemand wird uns vor dem Kapitalismus schützen. Niemals, sage ich euch, denn das haben wir schon seit den Ur-Ur-Großeltern gesehen, also seit 500 Jahren.
Niemand, absolut niemand, wird für uns kämpfen.
Die Veränderung, die wir armen Menschen in der Welt wollen, ist eine echte Veränderung, nicht eine Veränderung, die die bösen Herrscher und die Reichen wollen.
Wir haben das in anderen Ländern gesehen, die sagen, sie hätten sich geändert, sie seien gute Regierungen und jetzt kommen andere, die schon vorher schlecht regiert haben.
Deshalb Schwestern und Brüder, sind wir gekommen, um mit euch zu sprechen, um mit euch zu reden. Wir kommen nicht zu großen Menschenmengen, wir kommen, um mit denen zu sprechen, die mit uns sprechen wollen, mit denen, denen wir zuhören wollen, wie sie kämpfen und wie sie denken.
Was wir denken und wollen, ist dass unsere Augen und unser Geist auf dem Land und in der Stadt geöffnet werden.
Wir, die wir Mutter Erde bearbeiten, wir, die wir das Land bearbeiten, haben viele Probleme mit Ausbeutung, Ungerechtigkeit, Elend und Ungleichheit.
Und das macht uns wütend und mutig, denn wir haben jahrelang gelitten.
Aber Schwestern und Brüder aus der Stadt, wir alle, die wir auf dem Lande, also auf Mutter Erde unsere Arbeit verrichten, wir alle essen davon, sowohl in der Stadt als auch auf dem Lande.
Zum Beispiel das hier *schnappt sich einen Keks*, ich stelle mir vor, dass das Weizen ist, oder Reis, oder Mais. Aber woher kommt der Mais, woher der Weizen, woher der Reis? Aus der Erde, oder liege ich da falsch?
Und das essen auch die Brüder und Schwestern in der Stadt. Und die Brüder und Schwestern der Stadt arbeiten, entweder als Sekretärin, Bankangestellte in großen Gebäuden und verdienen etwas.
Und was wir nicht merken ist, dass diese Landarbeiter leiden. Es ist nicht dasselbe, auf dem Feld in der Sonne zu arbeiten, wie wir es jetzt haben, wie es für diejenigen ist, die im Büro arbeiten. Aber sie werden auch ausgebeutet.
Wir müssen also gemeinsam, vom Land und aus der Stadt, uns um Mutter Erde kümmern, die wir verteidigen müssen, denn sie ist das, was uns wirklich Leben gibt, nicht das, was der Kapitalismus glaubt, dass sie gibt. Sie wollen, dass ihr Geld regiert, Geld ist für sie Macht, es ist für sie das Reich Gottes.
Für uns Zapatisten ist es dringend notwendig, dass wir etwas tun, denn die bösen Machthaber werden nichts tun, sie werden einfach zusehen, was passiert. Alles, was in diesen Tagen, Augenblicken, Wochen und Monaten an Zerstörungen und Reaktionen von Mutter Natur zu beobachten war, wird noch schlimmer werden.
Wenn wir feststellen, dass unsere Stadt überschwemmt wird, werden wir sagen: "Das haben wir noch nie gesehen".
Was wir niemals zulassen dürfen, ist die weitere Zerstörung desjenigen, dessen Name so oft genannt wird: des Kapitalismus.
Schwestern, Brüder, wir Zapatisten sind hier, um euch zu danken, denn es gab Kameraden von uns, die im Kampf gefallen sind. Sie fielen im Morgengrauen 1994, als wir gegen die schlechte Regierung kämpften.
Wir sind hier, Compañeras und Compañeros, dank unserer gefallenen Kameraden, die im Widerstand und in der Rebellion gefallen sind.
Und unsere Rebellion und unser Widerstand bestehen darin, dass wir uns als Volk selbst regieren wollen.
Wir wollen nicht töten, wir wollen nicht sterben.
Das Problem ist, dass sie uns nicht die Möglichkeit geben, das zu tun, was wir als Frauen und Männer denken.
Und genau das tun wir seit 28 Jahren, wir schießen nicht, wir töten nicht, und wir wollen nicht sterben. Wir wollen das Leben.
Wir werden dort weitermachen, wo wir sind. Und wir denken, dass die Armen in der Welt es so machen sollten. Unsere gefallenen Kameraden sagten uns: "Eines Tages werden wir zu den Menschen sprechen müssen. Eines Tages werden wir zu unseren Brüdern und Schwestern in der Welt sprechen müssen. Wir wussten nicht, dass wir in Wien ankommen würden.
Und jetzt sind wir in Wien, der Hauptstadt Österreichs und so werden wir auch in andere Länder gehen, in die wir eingeladen werden. Denn sie haben uns hierher eingeladen, was sie viel kostet, aber so wollen wir kämpfen.
Vielen Dank und wir werden uns in den nächsten Tagen öfters sehen".
- Subcomandante Insurgente Moisés.