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Mittwoch, 18 August 2021 20:28

Sängerin Valiente: der Mut, zu entstehen und sich zu entfalten

Von
Cantante Valiente Foto: Eva Messerer

Fast jeder, der mit der U-Bahn fährt, kennt Valiente. Oder zumindest haben sie sie gesehen und gehört.
Hier zeigen wir Ihnen, wer diese „One-Woman-Show“ ist, die "mit" ihrem Publikum singt.

Valiente wurde in Buenos Aires, Argentinien, geboren, ihre Familie hat einen deutsch-österreichischen Hintergrund, ihre Eltern kamen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Europa und starben, als Valiente noch sehr jung war.

Die Sängerin lernt zunächst Deutsch und im Kindergarten Spanisch, später in der Schule lernt sie Englisch und jetzt mit ihrem Freund auch Italienisch. Das mehrsprachige Talent besuchte eine Musiktheaterschule und absolvierte ihre künstlerische Ausbildung bei verschiedenen Gesangslehrern.

Im Alter von 8 Jahren begann sie in der Theatergruppe ihrer Schule zu spielen. Als Teenager entdeckte sie Musicals und die Liebe zur Musik, aber im Theater und der Schauspielerei lag ihre künstlerische Basis. Valiente zeichnet sich durch ihr Charisma, ihre Stimme und vor allem durch ihre Shows aus. „Meine Shows haben einen roten Faden, denn durch die Lieder erzähle ich eine Geschichte. Und eine andere Komponente, die in meinen Shows nicht fehlen darf, ist der Humor. Mit Humor kann man die Menschen besser erreichen und sogar Gesellschaftskritik üben, man kann ernste Dinge sagen, ohne dass die Leute sie ablehnen und somit das Publikum zum Nachdenken bringen“.

Die Sängerin findet einen großen Unterschied der Kulturen: Beide Länder, beide Städte, sowohl Wien als auch Buenos Aires, haben Ihre Pros und Kontras. Aber es waren hauptsächlich die Ungleichheit, die Frauenfragen, die Ökologie, der Tierschutz, und die Korruption in Buenos Aires, was sie nicht mehr tolerieren konnte.

Valiente
(Foto: Eva Messerer & Lobsang Taramona)

In ihren Texten setzt sich die Sängerin mit gesellschaftlichen Problemen wie dem Thema „Frauen“ auseinander und räumt ein, dass der Machismo in Lateinamerika viel größer ist als in Europa. „Menschen missverstehen oft den Feminismus und glauben, Feministinnen würden mehr als Männer sein wollen“. Was wir wollen, ist Gleichberechtigung und die Möglichkeit, auf die Straße zu gehen, ohne Angst zu haben, dass einem etwas passiert", sagt sie. Sie kritisiert auch die Problematik der Klischees und Vorurteile. In ihrer Single „Dating Mambo“ setzt sie sich zum Beispiel mit dem Stereotyp der perfekten Frau auseinander. "Die Bombardierung der Frauen mit Werbung und dass wir perfekt sein müssen, dass wir um drei Uhr morgens aufstehen und perfekt aussehen müssen, ohne dunkle Ringe unter den Augen, dass wir keine Blähungen haben, usw.", sagt Valiente.

Ihre neue Show, das neue Album und die Single, die die Sängerin und ihr Team in diesem Sommer veröffentlichen, heißen LATINA und beschäftigen sich mit all diesen Themen.
Valiente bietet keine Konzerte im klassischen Sinne, sondern Shows, bei denen die Songs unter einem Konzept und einer Geschichte vereint sind.

Singen in der U-Bahn

Vor 3 Jahren fragte sich Valiente, wie man die Leute erreichen könnte, wie man mehr Kontakt zum Publikum bekommen würde? Also beschloss sie, mit einer sehr erfolgreichen deutschen Acapella-Band zu sprechen, und sie brachten sie auf die Idee, auf der Straße zu singen, wie sie es selbst taten. Warum? Erstens, weil man den direkten Kontakt mit den Leuten hat, zweitens testet man sich selbst, denn wenn die Leute nicht stehen bleiben, einem zuzuhören, gibt es zwei Möglichkeiten, entweder man ist nicht gut genug (...dann sollte man etwas anderes machen) oder man muss etwas lernen. Zufälligerweise findet einen Monat später das Casting der WienerLinien für die U-Bahn-Stars statt, bei dem einige KünstlerInnen die Erlaubnis erhalten, in den U-Bahn-Stationen zu singen. „Ich war unter den 14 KünstlerInnen, die ausgewählt wurden. Angefangen hat alles als Pilotprojekt und ich fing auf dem Westbahhof zu singen an“, sagt Valiente.

Um mit dem Singen zu beginnen, musste Valiente ihre Tonausrüstung und sogar einen batteriebetriebenen Verstärker zusammensuchen. Mit ihren Musikstücken passte sie sich schnell dem damaligen Publikum an.

Wenn sie ein älteres Publikum hatte, das z.B. Schlager hören wollte, wechselte Valiente die Musik und passte sich verschiedenen Altersgruppen an. So machte die Künstlerin tolle Erfahrungen in den U-Bahn-Stationen und gewann unzählige Fans. Die Fähigkeit, sich dem anzupassen, was das Publikum wollte, blieb jedoch unter ihrem Stil- und Image-Schema.

Wirst du nach der Pandemie weiterhin in den U-Bahn-Stationen singen?

Ja, es ist nur so, dass mir der Kontakt mit dem Publikum fehlt, über die Show und das Singen hinaus, mir fehlt die Interaktion mit den Leuten.

Ist die U-Bahn eine gute Schule?

„Eine sehr harte, aber eine sehr gute. Man lernt sehr viel, sowohl auf künstlerischen als auch auf menschlicher Ebene. Man lernt z.B., Grenzen zu setzen. Von allen Bahnhöfen ist der Westbahnhof immer noch der Hotspot in jeder Hinsicht: Weil man dort die meisten Leute zusammenbekommt, was toll ist, weil eine „Mini-Party“ stattfindet und alle mittanzen, aber auch, weil es leider sehr viele Menschen mit Drogensucht oder anderen Probleme gibt, die stehenbleiben, dich dort alleine stehen sehen... und in meinem Fall, als Frau und auffallend angezogen. Man lernt auf die harte Art und Weise, Grenzen zu setzen und sich Respekt zu verschaffen. Ich hatte auch einige nicht sehr angenehme Erfahrungen, aber ich habe dadurch gelernt. Der soziale Aspekt ist auch sehr wichtig, denn man hat dort mit allen möglichen Leuten zu tun, vom Yuppie (Young Urban Professional), der aus seinem Büro kommt, über den Obdachlosen, der die Augustin-Zeitung verkauft, bis hin zur Sekretärin, der Lehrerin, den Teenagern oder Kindern. Es gab eine Zeit, da kam oft ein Punk-Pärchen zu mir, von denen, die in Militärkleidung und mit Hunden auf der Mariahilfer Straße sind. Sie hörten mir gerne zu und umarmten mich auch immer. Wieso? Einfach nur, weil ich mit ihnen ganz normal geredet und sie wie Menschen behandelt habe, was sie leider nicht mehr so gewohnt sind. Wenn man auf der “Straße” singt, hat man mit aller Art von Menschen zu tun, man baut Vorurteile ab und man beginnt die Welt mit anderen Augen zu sehen“, sagt Valiente.

Die Sängerin zeichnet sich durch ihren Stil der 50er, 60er Jahre aus. Sie entdeckt einfach, dass dies die Art von Musik ist, die sie mag. „Ich habe diese Musik im Haus einer Freundin entdeckt, als ich 5 Jahre alt war. Während wir mit Barbies spielten, lief im Hintergrund Musik. Es war eine Kassette von Caterina Valente, die eine mega europäische Künstlerin ist. Ich mochte diese Musik. Ich wurde auch von meiner Mutter mit den Beatles beeinflusst“, sagt Valiente.

Valiente (Foto: Eva Messerer & Lobsang Taramona)
Valiente (Foto: Eva Messerer & Lobsang Taramona)

Liegt dein Erfolg in der Kombination von Gesang und Schauspielerei begründet?

„Es könnte die Tatsache sein, dass ich auf der Straße singe und Schauspiel studiert habe, die Interaktion in beide Richtungen, das Tanzen mit den Leuten, wenn ich von der Bühne komme und meine Musiker mir folgen und ich Witze mit dem Publikum mache. Das ist das, was mir am meisten Spaß macht und was mich ausmacht“, so die Künstlerin.

Valiente ist nicht die Art von Sängerinnen, die sich hinter dem Photoshop-Effekt versteckt und sie will den Leuten auch nicht weismachen, dass sie perfekt ist. "Denn kurz gesagt, eine Sängerin oder ein Sänger kann bewundert werden, weil sie oder er göttlich und perfekt ist, aber inwieweit kann sich das Publikum mit einem solchen Sänger/in identifizieren? Deshalb versucht sie, so menschlich und authentisch wie möglich zu bleiben.
„Meine Seele muss 80 Jahre alt sein!“ Das sagt Valiente, die ihre Eltern sehr jung verloren hat und schnell reifen musste. „In der Schule war ich in der Theatergruppe, wir waren die Bohemien, weder die Coolen, noch die Loser, wir waren eine gesonderte Gruppe. Das hat mich auch sehr geprägt und dazu beigetragen, in einem jungen alter erwachsen zu werden. Während meine Schulkollegen Party machten, haben wir geprobt. Obwohl ich dieses freche innere Kind habe, dass sehr gerne spielt (und ich betone hier “sehr”!), bin ich auf der anderen Seite auch ein sehr ausgeglichener und rationaler Mensch. Ich mag Oldies, ich ziehe mich wie in den 50er Jahren an, benehme mich wie eine alte Dame... Ich muss also eine sein!“ (lacht).

Valiente (Foto: Eva Messerer & Lobsang Taramona)
Valiente (Foto: Eva Messerer & Lobsang Taramona)

Unicorno, der Sommerhit 2020 - Radio Wien, du warst die Gewinnerin, wie war dieses Erlebnis?

Dass eine argentinische Cumbia (auf Spanisch!) von einem Wiener Radiosender in die Rotation aufgenommen wurde, war schon enorm. Als dann die Abstimmung kam und ich vom Ergebnis erfuhr, konnte ich es nicht glauben. Ich hatte positives Feedback von den Leuten erhalten, sie sagten, dass ihnen der Song gefiel, dass er ein richtiger Ohrwurm wäre... Aber dass er dann von den HörerInnen tatsächlich auch als Sommerhit gevotet wurde, war für mich: WOW! Es war eine große Ehre und ich bin ihnen auch sehr dankbar.

Hast du heuer eine Überraschung für uns?

Meine Single „Dating Mambo“ ist bereits am 14. Februar, dem Dating-Tag des Jahres, mit einem sehr lustigen Musikvideo erschienen! Wenn Sie es nicht gesehen haben, schauen Sie es sich auf meinem YouTube-Kanal an! Und im Mai hatten wir die Premiere eines Covers, also einer Neuinterpretation eines alten Klassikers, allerdings 'a la Valiente': eine Cumbia auf Deutsch! In meiner Show LATINA haben wir sowohl Originallieder als auch Covers aus den 50er und 60er Jahren, die alle in lateinamerikanischen Rhythmen versioniert wurden: Cumbia, Samba, Calypso, Cha Cha Cha, Rumba Flamenca... alles Mögliche! Wir haben sogar einen Elvis-Song als Bachata. Das Album LATINA, das in Produktionsphase ist, hat 5 Originallieder. Zurzeit arbeiten wir mit meinem Produzenten, Carlos Pino-Quintana, mit dem wir seit 2019 zusammenarbeiten, an dem Sommer-Song: Ein sehr fröhliches, rhythmisches und buntes Lied, sehr latino. 

Am Ende des Treffens mit Valiente spricht sie ein wichtiges Thema an: „Die Pandemie lenkt den Fokus von der Umweltproblematik ab. Die Leute realisieren es nicht, aber wir haben als VerbraucherInnen das Ass im Ärmel. Natürlich gibt es politische Entscheidungen, die getroffen und Gesetze, die  geändert werden müssen. Ich rede zum Beispiel über den Konsum tierischer Produkte, dem größten Verantwortlichen der Zerstörung des Amazonas u.a. Aber letztendlich haben die VerbraucherInnen die Macht. Deshalb müssen wir uns des Problemes bewusst werden und diese Macht nutzen. In Argentinien gab es einen Satz, der in aller Munde war und ich komme hiermit zum Thema Frauen zurück, zu einem schrecklichen Thema, wie es der Frauenhandel ist: „Ohne Kunden gibt es keinen Handel“. Das Gleiche gilt für die Ökologie, die tierischen Produkte und die Zerstörung, die wir verursachen. Ohne Kunden, ohne unserem Konsum, sind die Hersteller gezwungen, ihre Produktion zu ändern. Jeder von uns, kann helfen, die Welt besser zu machen. Unterschätzen Sie sich nicht! “Wie es schon der große Michael Jackson sagte: “If you want to make the world a better place, take a look at yourself, then make a change” (Wenn du die Welt zu einem besseren Ort machen willst, betrachte dich selbst und ändere was).“♥

Valiente Website: www.valiente.at

* Artikel veröffentlicht in der 17. Ausgabe der Zeitschrift CulturaLatina im Juni 2021.

Letzte Änderung am Samstag, 18 September 2021 20:39
Redaktion

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