Die Veranstaltung wurde von der Universal Peace Federation (UPF) Austria in Zusammenarbeit mit der United Nations Correspondents Association Vienna (UNCAV), der Coalition of Faith-Based Organizations, Youth and Students for Peace sowie der Women’s Federation for World Peace organisiert. Sie brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Diplomatie, Politik, Wissenschaft, Religion und Zivilgesellschaft zusammen.
Interreligiöser Dialog als globale Verantwortung
Der Präsident von UPF Austria, Peter Haider, begrüßte die Teilnehmenden und betonte, dass die von den Vereinten Nationen verabschiedete World Interfaith Harmony Week darauf abziele, Verständnis, gegenseitigen Respekt und Zusammenarbeit zwischen Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen zu fördern. Er erinnerte daran, dass das zentrale Thema der Konferenz in einer Phase besonderer Bedeutung stehe, in der das internationale System deutliche Zeichen von Fragilität aufweise.
Haider unterstrich, dass nicht die Religionen selbst Kriege verursachten, sondern politische Entscheidungen, und hob die Bedeutung des interreligiösen Dialogs als ethische Grundlage des Friedens hervor.
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Mohammed Sameer Salem Hindawi:
Religion, menschliche Würde und Jerusalem
Der Botschafter des Haschemitischen Königreichs Jordanien in Österreich und Ständige Vertreter bei den Vereinten Nationen in Wien, S. E. Mohammed Sameer Salem Hindawi, erinnerte daran, dass die World Interfaith Harmony Week eine Initiative von König Abdullah II. von Jordanien sei, die von der UNO einstimmig angenommen wurde.
In seiner Rede betonte er, dass Religionen in ihrer authentischen Essenz Kräfte des Friedens, der Gerechtigkeit und des Mitgefühls seien. Die eigentliche Herausforderung bestehe heute nicht in der religiösen Vielfalt, sondern in der gezielten Verzerrung von Religion zu ideologischen oder machtpolitischen Zwecken. Gott anzurufen, um andere zu entmenschlichen oder die Verweigerung grundlegender Rechte zu rechtfertigen, sei ein Verrat an der religiösen Botschaft.
Einen zentralen Teil seiner Ausführungen widmete Hindawi Jerusalem, der heiligen Stadt für Muslime, Christen und Juden und betonte, dass Jerusalem nicht als politisches Instrument der Ausgrenzung missbraucht werden dürfe, und erinnerte an die historisch gewachsene und international anerkannte Rolle Jordaniens als Hüter der islamischen und christlichen heiligen Stätten, eine Verantwortung, die er als moralisch ebenso wie politisch bezeichnete.
Lukas Mandl:
Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg
Der österreichische Europaabgeordnete Lukas Mandl stellte in seinem Beitrag das Konzept der spirituellen Offenheit als Voraussetzung für Frieden in den Mittelpunkt. Er wies darauf hin, dass Religion in Westeuropa häufig als Privatsache wahrgenommen werde, während sich weltweit die Mehrheit der Menschen mit einer religiösen Tradition identifiziere. Damit sei Religion ein zentraler Faktor für internationales Verständnis.
Mandl betonte die Notwendigkeit, klar zwischen Religion und ihrem politischen Missbrauch zu unterscheiden, und warnte davor, dass jede Religion instrumentalisiert werden könne, wenn sie von menschlicher Würde und individueller Freiheit gelöst werde. Frieden beschränke sich nicht auf die Abwesenheit von Krieg, sondern bedeute gerechte Beziehungen zwischen Menschen, Völkern und Kulturen.
Zudem thematisierte er die Rolle sozialer Medien und algorithmischer Mechanismen bei der gesellschaftlichen Polarisierung und warnte vor deren suchtähnlicher Wirkung sowie ihrem Potenzial, den sozialen und demokratischen Zusammenhalt zu untergraben.
Jean-Luc Lemahieu:
Die internationale Ordnung unter Druck
Der ehemalige Direktor für Politik- und Öffentlichkeitsarbeit des UNODC, Jean-Luc Lemahieu, präsentierte eine kritische Analyse des gegenwärtigen Zustands des multilateralen Systems. Er erinnerte daran, dass sich die UNO zu Beginn des 21. Jahrhunderts als tragende Säule einer regelbasierten internationalen Ordnung zu etablieren schien, die auf Menschenrechten und Zusammenarbeit beruhte.
In den letzten Jahren habe jedoch ein schleichender Vertrauensverlust eingesetzt, begleitet vom Aufkommen paralleler Initiativen, die die zentrale Rolle der Vereinten Nationen infrage stellten. Lemahieu betonte, dass die historische Stärke der UNO nicht in militärischer Macht liege, sondern in ihrer moralischen Autorität, ihrer verbindenden Kraft und dem Vertrauen in ihre Werte.
Vor diesem Hintergrund verteidigte er den interreligiösen Dialog als wesentliches Element zur Wiederherstellung gemeinsamer Narrative, zur Förderung von Vertrauen und zur Unterstützung nachhaltiger Friedensprozesse – insbesondere in Konfliktregionen wie dem Nahen Osten.
Dr. Afsar Rathor:
Von der Anklage zum Handeln
Der ehemalige UNO-Diplomat und Vizepräsident der Coalition of Faith-Based Organizations, Dr. Afsar Rathor, warnte vor dem zunehmenden Antisemitismus, der Islamfeindlichkeit, Angriffen auf christliche Gemeinschaften sowie der Gewalt gegen Migranten und andere vulnerable Gruppen.
Auf Grundlage seiner Erfahrungen in Konfliktregionen wie Bosnien, Ruanda, Jemen und dem Nahen Osten betonte er, dass Ehrlichkeit gegenüber diesen Realitäten nicht in Hoffnungslosigkeit münden dürfe. Stattdessen plädierte er für einen Ansatz, der auf Inklusion, Schutz von Minderheiten und konkrete öffentliche Politiken zur Förderung des Zusammenlebens setzt.
Rathor stellte internationale Beispiele vor, die zeigen, wie interreligiöse Harmonie in Gesetze, Budgets, Institutionen und wirksame Programme umgesetzt werden kann. Frieden sei keine abstrakte Idee, sondern eine politische und gesellschaftliche Entscheidung, die langfristiges Engagement erfordere.
Prof. Dr. Elmar Kuhn:
Vom institutionellen Dialog zum Handeln an der Basis
Der Professor und internationale Präsident der Coalition of Faith-Based Organizations, Elmar Kuhn, äußerte eine selbstkritische Reflexion über die Grenzen des interreligiösen Dialogs, wenn dieser ausschließlich auf institutioneller Ebene verbleibt. Aus seiner Erfahrung heraus betonte er, dass hochrangige Begegnungen ihre Wirkung verlieren, wenn sie keinen Bezug zu den Basisgemeinschaften haben, in denen Wahrnehmungen, Vorurteile und Haltungen entstehen, die das Zusammenleben unmittelbar prägen.
Kuhn warnte davor, dass interreligiöser Dialog scheitere, wenn er auf Missionierung, Konfrontation von Unterschieden oder eine idealisierte Sicht reduziert werde, die reale Konflikte ausblende. Stattdessen plädierte er für eine Neuausrichtung hin zu konkretem Handeln: Werteerziehung von frühester Kindheit an, soziale Zusammenarbeit sowie eine gelebte Spiritualität, die den Respekt vor menschlicher Würde und Vielfalt stärkt.
Dr. Androniki Barla:
Religiöse Diplomatie als Instrument des Vertrauens
Die orthodoxe Theologin und Kanonistin Androniki Barla analysierte die wachsende Bedeutung religiöser Diplomatie in einem internationalen Umfeld, das durch Vertrauensverlust in Institutionen und zunehmende identitätsbezogene Konflikte gekennzeichnet ist. Sie wies darauf hin, dass die Außenpolitik über Jahrzehnte hinweg dazu tendierte, Religion in den privaten Bereich zu verdrängen – eine Sichtweise, die angesichts eines multipolaren Weltgefüges nicht mehr ausreiche.
Barla hob hervor, dass religiöse Führungspersönlichkeiten und Organisationen zur Vermittlung, Versöhnung und Vertrauensbildung beitragen können, insbesondere in fragilen Kontexten, in denen staatliche Strukturen an ihre Grenzen stoßen. Gleichzeitig betonte sie, dass diese Form der Diplomatie nur dann wirksam sei, wenn sie verantwortungsvoll, inklusiv und selbstkritisch ausgeübt werde, ohne Instrumentalisierung des Glaubens und unter Einbeziehung von Minderheiten, Frauen und jungen Menschen.
Albert David:
Minderheiten, Vielfalt und Zusammenleben
Albert David, Mitglied der Nationalen Kommission für Minderheiten in Pakistan, erklärte, dass Religion – in ihrer authentischen Form gelebt – eine Kraft des Friedens und nicht des Konflikts sei. Interreligiöse Harmonie bedeute nicht, Unterschiede zu beseitigen, sondern sie zu respektieren und als Teil der menschlichen Vielfalt wertzuschätzen, getragen von gemeinsamen Werten wie Würde, Mitgefühl und Gerechtigkeit.
Er betonte das Engagement Pakistans für den Schutz religiöser Minderheiten und die Ablehnung von Extremismus, erkannte jedoch bestehende Herausforderungen an. Nachhaltiger Frieden sei nur möglich, wenn Religionen zusammenarbeiteten, um Menschenrechte zu verteidigen und Vielfalt in eine kollektive Stärke zu verwandeln.
Religionen als Brücken,
nicht als Waffen
Die Konferenz endete mit einem gemeinsamen Appell, die Rolle der Religionen als Brücken des Dialogs, Quellen ethischer Werte und Verbündete bei der Verteidigung der menschlichen Würde zu bekräftigen. Angesichts der politischen Instrumentalisierung von Glauben und der Erosion der multilateralen Ordnung waren sich die Teilnehmenden einig, dass interreligiöser Dialog, Bildung und Zusammenarbeit zwischen religiösen, politischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren weiterhin unverzichtbare Instrumente auf dem Weg zu einer gerechteren und friedlicheren Welt sind.
Das Programm beinhaltete zudem ein musikalisches Intermezzo, präsentiert von Dr. Joshua Sinclair, mit den Gastinterpretinnen Kirsten Wedeborn und Caroline Stevenson, die die Lieder „He Ain’t Heavy, He’s My Brother“ und „The White Cliffs of Dover“ darboten.