Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit den Migrationsbewegungen der letzten Jahrzehnte, die Spanisch zu einer Alltagssprache für Gemeinschaften aus Lateinamerika und Spanien in vielen europäischen Ländern gemacht haben. Die Analyse dieser Realität bildet den Kern der Arbeit des Observatorio del Español en Europa (OSE) mit Sitz an der Universität Heidelberg. Dort wird erforscht, wie sich Spanisch in mehrsprachigen und kulturell vielfältigen Gesellschaften etabliert, weitergegeben und neu interpretiert.
Das Wachstum spanischsprachiger Gemeinschaften in Ländern wie Deutschland, Österreich, Frankreich oder der Schweiz hat die sprachliche Landschaft Europas nachhaltig verändert. Spanisch ist längst nicht mehr nur auf Klassenzimmer oder den Tourismus beschränkt, sondern wird als Familiensprache, Kindheitssprache und Gemeinschaftssprache verwendet. In vielen Haushalten fungiert es als Brücke zwischen den Generationen – insbesondere zwischen migrierten Eltern und Kindern, die mit zwei oder mehr Sprachen aufwachsen.
Gefördert vom Instituto Cervantes ist das OSE Teil eines internationalen Netzwerks, das sich der sozial- und kulturwissenschaftlichen Analyse der spanischen Sprache widmet. Der europäische Fokus ermöglicht dabei neue Perspektiven: Spanisch wird nicht nur gezählt, sondern als Teil des Alltags, der kulturellen Praxis und der Identitätsbildung betrachtet.
In diesem Zusammenhang führt das Observatorium derzeit die Umfrage „Spanisch als Herkunftssprache in Europa“ durch. Sie richtet sich an spanischsprachige Familien mit minderjährigen Kindern, die in Europa leben. Ziel der anonymen Umfrage, die etwa 15 bis 20 Minuten dauert, ist es, Erfahrungen zur Verwendung des Spanischen im familiären Umfeld sowie zu den Herausforderungen seiner Weitergabe in mehrsprachigen Kontexten zu sammeln.
In einem Europa, das von Debatten über Migration, Integration und kulturelle Vielfalt geprägt ist, erweist sich Spanisch als verbindendes Element zwischen Lebenswegen, Geschichten und Generationen. Vom Standort Heidelberg aus dokumentiert das Observatorium für Spanisch in Europa diesen leisen, aber tiefgreifenden Prozess: den einer Sprache, die nicht nur Grenzen überschreitet, sondern Wurzeln schlägt.
Weitere Informationen der Umfrage: https://ose-hcias.de/es